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01.11.1988
Notfunkverkehr aus Ramstein
OM Thomas Schenk, DD3IR, berichtet wie folgt:
Als ich am 28. August 1988 um 1415 UTC Gerät einschaltete, um über Relais Kalmit einen Freund anzurufen, stieß ich auf einen total überfüllten Umsetzer und ein heilloses Durcheinander. Nach einiger Zeit erkannte ich, dass es darum ging, auf telefonischen Wege Notfallnachrichten aus Ramstein weiterzuleiten, wo sich anlässlich der Flugschau ein Unglück ereignet hatte. In Ramstein selbst war aus diesem Grunde das Telefonnetz völlig zusammengebrochen. Ich nahm zunächst Nachrichten für zwei Personen entgegen und beteiligte mich dann immer reger an dem Notfunkverkehr, was dazu führte, dass ich mich unversehens in der Rolle der Leitstation wiederfand und diese Funktion dann auch weiterhin ausübte. Gegen 1500 UTC erreichte mich von DB8VQ ein Notruf aus einem Militärkrankenhaus in Landstuhl. Zur Versorgung der dort eingelieferten Verletzten waren nicht genug Blutkonserven vorhanden, und es wurden dringend solche oder aber Blutspender benötigt. Diesen Notruf gab ich an die Relais Heidelberg, Pirmasens und Karlsruhe weiter. Er wurde auf jedem Relais bestätigt, und wie ich hörte, stellten sich auch einige OMs als Blutspender zur Verfügung. Ich erhielt dann über Relais Kalmit, über welches dieser Funkverkehr vorwiegend ablief, den Anruf einer Mobilstation. Ein als Assistenzarzt in einem Karlsruher Krankenhaus tätiger OM wies mich aus seinem Fahrzeug darauf hin, dass in seiner Dienststelle noch Blutkonserven bestimmter Blutgruppen seien. Er gab mir eine Telefonnummer, mit der ich mich in Verbindung setzen sollte. Ich tat dies und erklärte meinem Gesprächspartner die Sachlage, mit dem Hinweis, dass der Assistenzarzt meine Angaben bestätigen werde, sobald er eine Telefonzelle gefunden habe. Ob es dann tatsachlich zu einem Blutkonserventransport gekommen ist, habe ich allerdings nicht mehr erfahren. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde mir jedenfalls mitgeteilt, dass keine Blutkonserven mehr benötigt würden. Zum Schluss noch einige Bemerkungen zur Struktur des Notfunknetzes, wie es sich unmittelbar nach Eintreten des Unglücks spontan entwickelte. Auf der Air Base in Ramstein waren außer einem OM mit einer Station in seinem Fahrzeug noch einige andere OMs anwesend und betriebsbereit. Notrufe bzw. Nachrichten wurden auch noch von einer Station in Landstuhl entgegengenommen und weitergeleitet. Mehrere Stationen aus verschiedenen Telefon-Vorwahlgebieten erklärten sich bereit zur telefonischen Weiterleitung von Nachrichten in ihrem jeweiligen Vorwahlsektor. Die Aktivitäten erstreckten sich über ein Gebiet vom Raum Taunus über Mainz, Heidelberg, Neustadt/Weinstraße, Bad Dürkheim, Darmstadt, Sinsheim, Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart bis nach Freiburg/Br. Auch aus dem Saarland beteiligten sich einige Stationen. Das Netz war gegen 1600 UTC voll betriebsbereit und wurde bis etwa 1900 UTC aufrechterhalten. Nach der Auflösung des Netzes blieb außer mir noch ein weiterer OM auf Relais Kalmit für den Fall, dass doch noch Nachrichten zur Übermittlung anfallen würden. Der andere OM hatte über Relais Straßburg Verbindung zu Stationen in Frankreich, die sich nach französischen Besuchern der Flugschau erkundigten. Erwähnt werden muss noch folgendes: Der OM an seiner Fahrzeugstation auf der Air Base in Ramstein wurde von den Leuten, für die er Nachrichten vermittelte, gefragt, ob dies etwas koste. Er verneinte dies, merkte aber noch an, dass, wenn irgendwann einmal ein Funkamateur zu ihnen kommen und um eine Antennengenehmigung nachsuchen sollte, sie ihm diese nicht verweigern sollten. Soweit der Bericht vom Thomas, DD3IR. Hinzuzufügen wäre noch, dass von dritter Seite die während der gesamten Zeitdauer dieser Aktivitäten gewahrte hohe Funkdisziplin lobend hervorgehoben wurde.
Gerhard Paul, DF6SW
Quelle: CQ DL 11/88
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