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16.02.1991

Notruf von CP8AL – ein Wettlauf mit der Cholera

Samstag, 16. Februar 1991, 1741 UTC das Telephon klingelt. Es ist Peter Schüller, DK4KU: "Gehe auf 21400 kHz, Alex ruft dich."
Dr. Alexander Bendoraitis, CP8AL, bittet Franz-Willi Pfennings, DL6KBJ, um schnelle Hilfe. Etwa 90 km von Guayaramerin entfernt soll ebenfalls Cholera aufgetreten sein. "Wir haben keine Medikamente gegen diese Krankheit. Wir brauchen Impfstoff und Tetracyclin-Tabletten." DL6KBJ ruft über Telephon Dr. Dusan Ruppert, DG5KZ, an mit der Bitte: "Wo bekommt man Impfstoff und Medikamente?" Nach kurzer Zeit meldet sich DG5KZ auf 2 m und teilt DL6KBJ mit, dass er die Quellen ausfindig gemacht habe.
DL6KBJ ruft Michael Baumann, DJ4SN, in Wernau bei Stuttgart an mit der Bitte: "Wir brauchen einen schnellen Transportweg." Auch DJ4SN meldet sich nach kurzer Zeit auf Kurzwelle mit der Antwort: "Das geht klar. Am Mittwoch kann alles per Luftfracht nach La Paz gebracht werden."
Im Funkgespräch, das an diesem Tage bis 1859 UTC dauert, können wir CP8AL zusagen, dass wir alle Wege im Groben geklärt haben und nun die Kleinarbeit bei uns anfange. Das ist für die Leute in Guayaramerin eine erste Beruhigung.
Sonntag, 17. Februar 1991: Am Vormittag werden nun alle angerufen, soweit das am Sonntag möglich ist. Der Plan wird erstellt: Impfstoff von Marburg zum Flughafen nach Frankfurt. Tabletten soll DL6KBJ bei Medeor in Tönisvorst abholen und zum Flughafen nach Köln bringen. Mittwoch geht dann alles ab Frankfurt nach La Paz.
Montag, 18. Februar 1991: DGSKZ ruft morgens im Auftrag des Fördervereins Centro Materno Infantil in Marburg an, um den Impfstoff zu bestellen. Antwort: Kein Impfstoff vorhanden.
Er versucht es in Harnburg. Zunächst bekommt er die Antwort: "Zur Zeit ist kein Impfstoff in Deutschland zu bekommen. Wir suchen Ihnen eine Quelle in Frankreich." Dann bekommt er aber doch die Zusage, dass man noch irgendwo Impfstoff aufgetrieben hatte.
DL6KBJ regelt mit Frankfurt einen Transportweg über den Flughafen in Harnburg. DG5KZ klärt mit der internationalen Apotheke in Harnburg ab, dass der Impfstoff in einem Kühlbehälter zum Flughafen geliefert wird.
Bei Medeor in Tönisvorst stehen die Medikamentenpakete (30 kg) um 14 Uhr zum Abholen bereit. Auf der Fahrt nach Tönisvorst und von dort nach Köln zum Flughafen steht DL6KBJ aus seinem Wagen in ständiger Funkverbindung mit Fred Schoenen, DG4KN, aus Alsdorf. Durch dessen Hilfe kann er aktuelle Informationen weiterleiten.
Abends kommt die Bestätigung, dass die Medizin bereits unterwegs nach Frankfurt ist. Beim täglichen Funkkontakt mit CP8AL gibt es über diese Nachricht in Deutschland wie auch in Guayaramerin Freude. Dienstag, 19. Februar 1991: Eine zweite Tablettensendung wird auf den Weg geschickt. Im abendlichen QSO kann DL6KBJ CP8AL mitteilen, dass das Flugzeug mit den Medikamenten um 0.30 Uhr Ortszeit in La Paz landen soll. CP8AL teilt mit, dass der weitere Transport von La Paz nach Guayaramerin geklärt sei und das Flugzeug nach Plan am 21. Februar zwischen 10 und 12 Uhr Ortszeit ankommen werde.
Donnerstag, 21. Februar 1991: Im abendlichen QSO ist zu erfahren, dass das Flugzeug noch nicht angekommen ist.
Freitag, 22. Februar 1991: Im abendlichen QSO berichtet CP8AL, dass das Flugzeug um 11.15 Uhr angekommen sei und Herr Herzog schon um 11.30 Uhr die wertvollen Medikamente übernommen hat. Die Kühlkette des Impfstoffs sei nicht unterbrochen worden, und somit sei die Haltbarkeit bis Juni 1992 bei +2 bis +8 Grad gewährleistet.
Wir haben den Wettlauf mit der Cholera gewonnen. Das lokale Fernsehen in Guayaramerin berichtete über diese Hilfsaktion. Die Leute in Guayaramerin sind etwas beruhigter. Die Nachfrage nach den Medikamenten ist sehr hoch. Sie scheinen kostbarer als Gold zu sein.
CP8AL bedankt sich bei allen Helfern für die schnelle Hilfe. Viele Funkamateure hörten bei der Aktion zu und ließen die benutzten Frequenzen frei. Erst als die wichtigsten Informationen ausgetauscht waren, meldeten sich die OMs - das nennt man Harn Spirit, herzlichen Dank! Diese Aktion verursachte dem gemeinnützigen Förderverein Centro Materno Infantil Kosten in Höhe von fast 6000 DM.

Franz-Willi Pfennings, DL6KBJ

Quelle: CQ DL 5/91


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