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01.01.1992

Als Funker auf der "Sibirjakow" und der" Tscheljuskin"

Im Jahre 1932 nahm Ernst Krenkel die Stelle des Zweiten Funkers auf dem Eisbrecher "Alexander Sibirjakow" an, der am 28. Juli von Archangelsk aus in See ging, um über den Nördlichen Seeweg in direkter Fahrt Wladiwostok zu erreichen. Die Reise verlief schwierig, doch schließlich erfolgreich. Wegen der geringen Stationsdichte jm hohen Norden der Sowjetunion hatte Krenkel Mühe, die geforderten regelmäßigen Positionsmeldungen an die potentiellen Empfänger weiterzuleiten.
Da die Eisbrecherfahrt der "Alexander Sibirjakow" die prinzipielle Nutzbarkeit des Nördlichen Seeweges beweisen konnte, wurde am 12. Juli 1933 der Dampfer " Tscheljuskin" auf die Reise geschickt, um die Passierbarkeit dieser Route auch für gewöhnliche Handelsschiffe zu testen. Als Erster Funker befand sich Ernst Krenkel an Bord, der noch nicht wusste, welchen heroischen Abschluss diese Reise finden sollte.
Zunächst verlief alles normal, Krenkel führte den routinemäßigen Dienstfunkverkehr durch, erprobte die neue Funkstation und fuhr in der freien Zeit etliche QSOs. Dann kam der verhängnisvolle 13. Februar 1934. Ernst Krenkel befand sich mitten in einem Funkspruch, als er ein fürchterliches Krachen und Poltern vernahm, das von einem Stoß begleitet wurde, der das ganze Schiff erbeben ließ. Die "Tscheljuskin" war zwischen zwei riesige Packeisfelder geraten und im Begriff, von diesen zermalmt zu werden. Krenkel gelang es noch, die nächstgelegene Funkstation auf Uelen über die Katastrophe zu informieren, bevor er mit Hilfe weiterer Besatzungsmitglieder in aller Eile begann, die Stationsausrüstung zu demontieren und zusammen mit den Reservegeräten und anderen lebenswichtigen Gütern auf das Eisfeld zu bringen.
Unter unsäglichen Mühen schaffte man es, Zelte, Lebensmittel und Treibstoff vom Schiff zu transportieren. Auch nahezu alle Besatzungsmitglieder konnten sich auf das driftende Eisfeld retten, bevor das Schiff in den eisigen Fluten versank. Es begann ein verbissener Kampf mit überlegenen Naturgewalten, der Klugheit, Kaltblütigkeit, aber auch die unbedingte Hoffnung auf eine Rettung erforderte.
Krenkel konnte unter äußerst dramatischen Bedingungen den Funkkontakt mit dem Festland wieder herstellen, so dass die schwierigen Rettungsarbeiten für die Tscheljuskin-Besatzung, zu der auch Frauen und Kinder gehörten, koordiniert verliefen. Auf dem Eisfeld wurde ein Landeplatz für Polarflugzeuge eingerichtet. Mutige Piloten flogen diesen bei gutem Wetter an und evakuierten Schritt für Schritt die driftenden Eisschollenbewohner. Dieser Einsatz dauerte bis zum 13. April 1934, immer wieder unterbrochen durch Schlechtwetterperioden.
Ernst Krenkel, der bis zuletzt an seiner Funkstation ausharrte und dafür sorgte, dass der berühmte Faden zur Außenwelt nie abriss, verließ mit den noch verbliebenen fünf anderen Besatzungsmitgliedern an diesem Tag per Flugzeug das Eisfeld. Das Rufzeichen der "Tscheljuskin", RAEM, das dank Krenkels aufopferungsvollen Einsatzes auch auf der Eisscholle nicht verstummte, wurde ihm von nun an als persönliches Amateurfunkrufzeichen verliehen und ist bis heute vielen älteren Funkamateuren noch ein Begriff.

Quelle: CQ DL 1/92


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